Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2026: Deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs
von baberlin
Die Gemeinschaftsdiagnose (GD) analysiert und prognostiziert zweimal jährlich, im Frühjahr und Herbst, die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die Ergebnisse dienen als wichtige Orientierung für die wirtschaftlichen Projektionen der Bundesregierung und fließen in deren Haushalts- und Finanzplanung ein. Die GD ist ein gemeinsames Forschungsprojekt führender Wirtschaftsforschungsinstitute. Durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher wissenschaftlicher Ansätze soll eine fundierte Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gewährleistet werden. Als unabhängige Einrichtung überprüft die Projektgruppe zudem die gesamtwirtschaftlichen Vorausschätzungen der Bundesregierung.
Der Projektgruppe gehören derzeit folgende Institute an:
· das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin,
· das ifo Institut (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München) in Kooperation mit dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) Wien,
· das Kiel Institut für Weltwirtschaft,
· das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sowie
· das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen.
Nach der Ende der vergangenen Woche veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose befindet sich die deutsche Wirtschaft seit Ende 2025 wieder im Aufschwung. Nach Einschätzung der genannten Wirtschaftsforschungsinstitute fällt die Erholung im Jahr 2026 mit einem erwarteten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent stärker aus als noch im Frühjahr prognostiziert. Für 2027 wird ein Wachstum von 1,1 Prozent, für 2028 von 0,4 Prozent erwartet.
Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Entwicklung durch hohe Energiepreise, strukturelle Herausforderungen und ein rückläufiges Erwerbspersonenpotenzial belastet.
Im ersten Halbjahr 2026 entwickelten sich insbesondere Exporte und das Verarbeitende Gewerbe positiv. Unternehmensinvestitionen und privater Konsum blieben dagegen zunächst schwach. Im dritten Quartal hat sich die Erholung vorübergehend verlangsamt. Neben den höheren Energiepreisen belastet insbesondere das seit Juli anhaltende Niedrigwasser die Produktion, vor allem in der chemischen Industrie. Für die weitere Entwicklung erwarten die Institute Impulse durch die robuste Auslandsnachfrage sowie höhere öffentliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur.
Die Inflation wird für 2026 auf 2,8 Prozent und für 2027 auf 3,2 Prozent geschätzt, bevor sie 2028 auf rund 2,0 Prozent zurückgehen soll.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diagnose ist die zunehmende Belastung der öffentlichen Finanzen. Das staatliche Finanzierungsdefizit dürfte von 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2026 auf 4,7 Prozent im Jahr 2028 steigen. Damit erhöht sich zugleich der Konsolidierungsbedarf.
Dienstleistungen mit unterschiedlichen Entwicklungsperspektiven
Auch für den Dienstleistungsbereich zeichnet die Gemeinschaftsdiagnose ein differenziertes Bild. Für die zweite Jahreshälfte 2026 erwarten die Institute insgesamt einen positiven Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung.
Insbesondere die unternehmensnahen Dienstleistungen profitieren von der weltweiten Nachfrage im Zusammenhang mit dem KI-Boom. Die öffentlichen Dienstleistungen dürften vor allem aufgrund höherer Ausgaben für Gesundheit und Pflege weiter kräftig expandieren.
Demgegenüber werden konsumnahe Dienstleistungen durch die gestiegenen Energiepreise und die damit verbundenen Kaufkraftverluste belastet.
Für den Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe erwarten die Institute für 2026 ein Wachstum von 1,1 Prozent und für 2027 von 0,6 Prozent.
Mittelfristig sehen die Institute jedoch zunehmende Wachstumshemmnisse durch den demografischen Wandel, insbesondere für beschäftigungsintensive Dienstleistungsbranchen wie Unternehmensdienstleistungen, Handel, Verkehr und Gastgewerbe. Während sich die konsumnahen Dienstleistungen nur allmählich erholen dürften, werden für den Bereich Information und Kommunikation weiterhin kräftige Impulse erwartet.
Was bedeutet die Diagnose für die Branche?
Für das gewerbliche Geldspiel sendet die Prognose ein gemischtes Signal. Die Wirtschaft wächst zwar wieder, getragen wird der Aufschwung aber vor allem von Exporten und öffentlichen Ausgaben. Der private Konsum bleibt dagegen schwach.
Die hohen Energiepreise treffen unsere Betriebe gleich zweifach, weil sie die eigenen Kosten erhöhen und die Kaufkraft der Gäste schmälern. Für Handel, Verkehr und Gastgewerbe erwarten die Institute zwar ein Plus von 1,1 Prozent in diesem und 0,6 Prozent im kommenden Jahr. Bei unseren Betrieben kommt davon jedoch kaum etwas an, und viele geraten wirtschaftlich zunehmend unter Druck. Hinzu kommen Fachkräftemangel und demografischer Wandel als strukturelle Probleme, die sich nicht mit der Konjunktur von selbst lösen.
In diesem Umfeld wiegt jede zusätzliche Belastung doppelt schwer. Steigende Vergnügungssteuern oder weitere Einschränkungen des legalen Angebots würden die ohnehin angespannte Lage vieler Betriebe verschärfen und dem illegalen Glücksspiel nur noch weiter in die Hände spielen.
Die Branche braucht deshalb jetzt verlässliche Rahmenbedingungen: flexible Arbeitszeiten, keine neuen Steuerlasten und endlich eine ausbalancierte Regulierung, die das legale Spiel zwischen wirksamen Spielerschutz und bedarfsgerechter Ausgestaltung gestaltet.
Alle Prognosen und Hintergründe im Detail finden Sie in der Langfassung der Gemeinschaftsdiagnose, die Sie hier herunterladen können

