Diskussion um die Glücksspielsucht beim Netzwerk Verbraucherforschung

Am 24. Oktober trafen sich Politiker, Forscher und Interessenten aus Wirtschaft, Politik und Verbänden im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Berlin, um an der vierten Jahreskonferenz des Netzwerk Verbraucherforschung teilzunehmen. Das Netzwerk ist eine dem Justizministerium unterstellte Initiative, in der ca. 170 Wissenschaftler interdisziplinär den Konsum in Deutschland erforschen.

Die Überschrift der Veranstaltung trug in diesem Jahr den Namen „Die dunklen Seiten des Konsums – alte Probleme, neue Herausforderungen?“, ein Thema, das sich in einem breit gefächerten, ganztägigen Programm niederschlug und das problematische Verbraucherverhalten in unserer Gesellschaft beleuchten wollte.

Besonders interessant für unsere Branche war das erste Diskussionspanel mit dem Titel „Zwischen Glücksspiel, Smartphone, LikeKultur: Alte und neue Süchte?“. Zu diesem war nicht nur Georg Stecker, der Vorstandssprecher des Die Deutsche Automatenwirtschaft e.V. (DAW) eingeladen, sondern auch Prof. Dr. Tilman Becker von der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim, der oftmals sehr kritisch mit der Automatenbranche umgeht.

Prof. Becker führte das Publikum zunächst in die Glücksspielforschung ein. Er sprach über die Unterschiede zwischen den Suchtgefahren der einzelnen Glücksspielformen und betonte die Gefährlichkeit des Automatenspiels in Spielbanken und Spielhallen. Dabei verwies er allerdings auf Erhebungen, die statistisch nicht abgesichert sind.

Der Sprecher der DAW, Georg Stecker, hielt in der Paneldiskussion dagegen. Für Stecker entsteht eine Gefährdung der Verbraucher vielmehr durch den unregulierten Bereich, online und offline, in dem kein Verbraucherschutz stattfindet. Allein in Berlin geht Stecker derzeit von etwa 2200 illegalen Glücksspielbetrieben aus, während das Spielhallenangebot auf ca. 200 Standorte reduziert wurde. Betrachtet man zudem den Spielerrückgang im legalen terrestrischen Spiel seit der Einführung der Technischen Richtlinie 5, ist anzunehmen, dass jene Gäste aus den Spielhallen in den wachsenden unregulierten Markt abgewandert sind.

Hier gestand auch Prof. Becker ein, dass die aktuelle Ausweitung des illegalen Spiels besorgniserregend sei. Er stimmte Stecker zu, dass die spielhallenspezifischen Abstandsregelungen absurd sind und keine suchtpräventive Grundlage haben. Zudem schloss er sich den aktuellen Forderungen der Branche nach einer bundeseinheitlichen, spielformübergreifenden Sperrdatei an.

Zum Abschluss des Diskussionspanels stand trotz teils gegenteiliger Ansichten der klare Konsens, dass die Regulierung des legalen Glücksspielangebots in seiner derzeitigen Form für niemanden zufriedenstellend sein kann.

Nach einer kurzen Mittagspause wurde sich dann anderen Verbraucherschutzthemen gewidmet. Im zweiten Diskussionspanel des Tages ging es um neue Sehnsuchtswelten der Verbraucher. Prof. Kaspar Maase von der Universität Tübingen sprach über den aktuellen Trend der Glorifizierung des „Bösen“ in populären Medien wie Filmen, Serien und Büchern. Dr. Janina Loh von der Universität Wien referierte über die von vielen angestrebte Selbstoptimierung. Sie zeigte auf, wie sich der menschliche Selbstoptimierungsgedanke in radikalen und ihrer Ansicht nach gefährlichen Ideologien niederschlagen kann.

Die Professoren Andrea Gröppel-Klein von der Universität des Saarlandes und Stefan Hoffmann aus Kiel beschäftigten sich anschließend mit egoistischem und unmoralischem Verbraucherverhalten und stellten verschiedene Experimente vor. Sie hatten in mehreren Studien getestet, unter welchen Bedingungen Verbraucher bereit sind „moralische“ (z.B. nachhaltige oder selbstlose) Entscheidungen zu treffen und wann sie andererseits egoistisch handeln oder versuchen, sich unfaire Vorteile zu sichern. Eine Erkenntnis hier war unter anderem, dass das positive Image eines Unternehmens wichtig ist. Je höher das Unternehmen im Ansehen der Verbraucher steht, desto weniger sind sie dazu geneigt, Regeln zu umgehen. Dies bestärkt auch unsere Fokussierung auf ein qualitativ hochwertiges Angebot und die Umsetzung eines guten Jugend- und Verbraucherschutzes.

Zum Abschluss der sehr interessanten Veranstaltung referierte der ehemalige Staatsminister Prof. Julian Nida-Rümelin über die aktuellen Digitalisierungstrends in Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft. Entgegen der Ansicht vieler wissenschaftlicher Strömungen ist die Digitalisierung und das Entstehen neuer Technologien für ihn keine losgelöste Dynamik, die der Mensch nicht kontrollieren könne. Vielmehr sprach er sich eindringlich für eine gesellschaftliche, demokratische Gestaltung der Technologien der Zukunft aus. Er nannte diese Bestrebungen den „digitalen Humanismus“.  

 

Erstellt am: 31.10.2019

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