Glücksspiel-Forscher stellen fest: Online-Glücksspiele haben die größte Sogwirkung auf krankhafte Spieler
Der Glücks- und Gewinnspielmarkt in Deutschland ist weiter im Aufwind. Gemessen am Bruttospielertrag wird er im Jahre 2011 die Marke von 10 Milliarden Euro erreichen. Seit 2006 werden Jahr für Jahr in Deutschland großangelegte Untersuchungen durchgeführt, um die Zahl der Spieler festzustellen, die mit den Glücksspielangeboten nicht umgehen können und krankhaft spielen. Mehr als 99 Prozent der Deutschen, die an Glücksspielen teilnehmen, tun dies danach ohne krankhafte Auffälligkeiten. Je nach Untersuchungsmethode schwankt der Anteil der pathologischen Spieler in Deutschland zwischen 0,2 % und 0,6 %. In einer neuen Studie, die am Forschungsinstitut für Glücksspiel und Wetten in Bonn durchgeführt wurde, sind die Professoren Franz W. Peren und Reiner Clement, beide ehemalige Referenten des Bundesministeriums für Wirtschaft, der Frage nachgegangen, welche Spielart die meisten pathologischen Spieler an sich bindet. Das Ergebnis ist überraschend.
Die beiden größten Spielanbieter, nämlich Lotto und die Unterhaltungsautomatenwirtschaft, die zusammen rund 80 % des gesamten Glücksspielmarktes in Deutschland ausmachen, binden den geringsten Anteil pathologischer Spieler an sich. Auf je 100 Mio. Euro Spielausgaben für Lotto kommen nur 0,35 % der pathologischen Spieler. Bei Geldspielgeräten wie sie in Spiel- und Gaststätten aufgestellt sind, kommen auf je 100 Mio. Euro Spielausgaben nur 0,9% der pathologischen Spieler. Ganz anders dagegen beim sogenannten großen und kleinen Spiel der Spielbanken. Gemeint sind damit Roulette und Slotmachines. Je 100 Mio. Euro Spielausgaben binden sie 2,56 % der krankhaften Spieler in Deutschland. Spitzenreiter in der Sogwirkung auf pathologische Spieler sind Online- Glücksspiele, die man mit Computer oder Handy im Internet spielen kann. Auf jeweils 100 Mio. Euro Ausgaben für Online-Spiele entfallen 6,67 % der pathologischen Spieler.
Aus dem ökonomischen Blickwinkel „müssen unsere Ergebnisse zu einer gesellschaftspolitischen Neubewertung der verschiedenen Spielangebote führen, denn zur Zeit stehen die falschen Spielangebote am Pranger der öffentlichen Kritik.“ Die aktuell auf Bundes- und Länderebene geplante und teilweise schon begonnene radikale Einschränkung des Angebotes von Geldgewinnspielgeräten in Gast- und Spielstätten könne mit der wirtschaftlichen Belastung von pathologischen Spielern nicht begründet werden. Nach Lotto zählen die Geldgewinnspielgeräte in Spielhallen und Gaststätten zu den eher unbedenklichen Angeboten, ganz im Gegensatz zu den Spielangeboten der staatlichen Spielbanken und vor allen Dingen im Gegensatz zu den Glücksspielangeboten im Internet. Als Wirtschaftswissenschaftler müsse er, so Professor Peren, vor politischen Fehlentscheidungen warnen. „Eine freie und soziale Marktwirtschaft darf und kann es sich nicht leisten, Dienstleistungen, wie sie die Automatenwirtschaft mit ihren Spielangeboten offeriert, ohne stichhaltige Begründung einzuschränken. Aus pathologie-ökonomischer Sicht gibt es keine faktische Begründung“.
In diesem Zusammenhang müsse man auch an die Steuern und Abgaben in Höhe von rund 1,5 Mrd. Euro denken, die von diesem Wirtschaftszweig aufgebracht werden. „Unsere Ergebnisse zeigen eindeutig, dass es viel wichtiger ist, Energien darauf zu verwenden, die Risiken, die von Online-Spielen ausgehen, in den Griff zu bekommen. Dies kann allerdings nur gelingen, wenn man auch diese Spielangebote in Deutschland zulässt und sie ordnungspolitisch nicht de facto in die Illegalität lenkt.“
Quelle: Presseinformation des Forschungsinstituts für Glücksspiel und Wetten vom 1.06.2011
Das Gutachten von Prof. Dr. Dr. Franz W. Peren "Pathologie-Potenziale von Glücksspielprodukten: Eine komparative Bewertung von in Deutschland angebotenen Spielformen", die Presseinformation des Forschungsinstituts sowie die Tabellenübersicht können Sie sich gerne herunterladen.